Mittwoch, 8. August 2012

Etappe 7: Vicus Aurelianus / Öhringen - Lauriacum / Lorch (29.6.)

Der Morgen begann, wie eigentlich jeder Morgen auf dieser Tour, mit Sonnenschein. Die Stimmung am Hotelfrühstückstisch war trotzdem getrübt, hatten doch die Italiener am Vorabend die Deutschen aus der EM gekegelt. Das euphorische Wir Gefühl der vergangenen Tage hatte schlagartig einem Kater platz gemacht.
Wir ließen uns davon nicht stören, frühstückten lecker  und deckten uns im Ort mit Obst und Müsliriegeln ein. Die (nicht vorhandenen) gastronomischen Erfahrungen der vergangenen Tage hatten uns vorsichtig gemacht.

Für den heutigen Tag stand die Querung zweier weiterer baden-württembergischer Ströme auf dem Programm, der Murr und Rems.

Im Murrtal am Morgen
Hinter Öhringen ging es erstmal aufwärts auf ein Hochplateau. Auch hier verläuft der Limes schnurgerade, völlig egal ob Berge im Weg stehen oder nicht. Die Gegend erscheint im Vergleich zum Odenwald recht zivilisiert, immer mal wieder gibt es Wildtiergehege oder Golfplätze.

ein gehörntes Wildtier.
Die erste Rast gabs bei WP 9/64 - dem wiedererrichtetem Limesturm "am Römergraben". Hinweistafeln belehren uns, dass dieser Nachbau mal wieder völlig falsch ist. Weder wurden in dieser Gegend die Türme aus Holz gebaut, noch sahen römische Holztürme aus wie der auf dem Foto. Da fragt man sich, warum die nicht gleich richtig aufgebaut werden. Wahrscheinlich hätte man dann nichts mehr zum Schreiben für die Tafeln übrig (und auch nichts mehr zum Aufregen im Blog)

Selbst der Laie erkennt: der WP 9/64 ist völlig falsch rekonstruiert. Peinlich.

Blick von oben auf die Reiseräder und Centurio Uli.
Bei den folgenden Türmen hat man sich das aufwendige Rekonstruieren erspart und einfach nur die Ruinen im Wald stehen lassen. Dann kann man auch nichts falsch machen!

Hier wurde nichts falsch gemacht: WP 9/77 "Färberwald".
Hinter Meinhardt wurde die Gegend wieder einsamer. Ein Schild grüßte uns mit den Worten: "Grüß Gott im Grab". Erst später stellten wir fest, dass wir uns verlesen hatten.

Der Name ist Programm :-)

Hm, den Rollstuhlfahrerweg oder lieber schieben?
Grab ist berühmt für seine (auch behindertengerecht erreichbare) Limesturmrekonstruktion. Der WP 9/83 "Heidenbuckel" scheint diesmal richtig nachgebaut zu sein. In diesem Turm musste eine vierköpfige Wachmannschaft leben. Der Eingang befand sich zum Schutz vor wilden Tieren oder herumstreunenden Germanen in der ersten Etage und war nur mit einer Leiter zu erreichen. Wir wollten uns die Wohnstuben auch anschauen, leider war der Turm verschlossen, den Schlüssel bekommt man in irgendeinem abseitig gelegenem Gemeindeamt. So mussten wir leider drauf verzichten.

WP 9/83 - ein Prachtexemplar von Wachtturm!

Der zugehörige Limesgraben mit Palisadenwall


und alles in einem Bild!
Hinter Murrhardt verließ uns unser Glück. Auf der ganzen Strecke bis Lorch gab es kein gescheites Hotel mehr. Die vorhandenen waren ausgebucht, schlimmer waren jedoch die nicht vorhandenen Hotels. Google Maps zeigte alle paar Kilometer eine Unterkunft an, sobald man davor stand, musste man feststellen, dass das Hotel pleite war. Auch die Quartierlage in Lorch klang nicht überzeugend und so beschlossen wir, mit dem Zug von Lorch bis Aalen zu fahren, um dort zu übernachten und einen Ruhetag einzulegen.

Den darauffolgenden Tag verbrachten wir einfach mit Nichtstun. Im Limesmuseum deckten wir uns endlich mit Mulsum ein, nachdem wir auf dem Weg immer wieder auf Mulsumversorgungsstellen trafen. Gemäß der römischen Tradition tilgten wir vor dem Essen einige Gläschen und hoffen natürlich auch, über 100 Jahre alt zu werden.


Der Mulsum ist ein klarer und goldgeber Wein mit einem jugendlichen Bukett. Ausgeprägt rassige Fruchtsäuren harmonieren mit  fülligem Alkohol. Er ist noch entwicklungsfähig, wirkt jedoch durch seine Gerbstoffarmut rund und subtil vielschichtig. Dichte Textur, gut anhaltend im Abgang.
Das Wetter machte unseren Reiseplänen leider ein Ende, da nach unserem Erholungstag dicke Wolken aufzogen und es für mehrere Tage in Strömen regnete. Da wir als Schönwetterfahrer nicht  stundenlang im Regen radeln wollten, beendeten wir die Limestour schweren Herzens. Somit stehen also noch drei weitere Tage auf dem Programm, um die Lücke von Lorch bis Regensburg zu schließen. Im September ist es hoffentlich soweit!

Auch der letzte Tag bescherte uns nochmal ordentlich Höhenmeter, Ulis Radlerhose passte nach den 7 Tagen Tour nicht mehr und bekam Risse am Oberschenkel.

Strecke80,1 km
 Dauer 05:11
 Höhenmeter 1369 m
 Durchschnitt 15,4 km/h
 Vmax 49,6 km/h



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Donnerstag, 2. August 2012

Etappe 6: Walldürn - Vicus Aurelianus / Öhringen (28.6.)

Walldürn weckte uns mit strahlendem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen. Nach den kalten Nächten im Taunus eine sehr willkommener Wetterwechsel. Die Stimmung im Fahrerlager ist mies, wunde Gelenke und Gesäße fordern das Äußerste von uns. Mühsam raffen wir uns auf und fahren los.

Malerische Landschaft im Nirgendwo ...
 Überall im Wald begegneten uns wieder Zeugnisse der Römer, meistens die Überreste von Wachtürmen.

Reste eines Kastells, die Nummer habe ich leider vergessen!

Gut erhaltener Grenzzaun ...

Die Gegend liegt etwas isoliert, hier kennt man noch keine genormten Wegweiser!
Im Laufe des Tages wurde es immer wärmer, die Temperaturen stiegen auf 35°. Der Weg bestand heute nur noch aus Steigungen und Abfahrten, wir querten die Jagst, die Kocher und Ohrn, lauter Flüsse von denen wir noch nie etwas gehört hatten. Hinter jedem Fluss ging es 200 Meter aufwärts, anschließend 200 abwärts, Brücke, wieder aufwärts usw. Die Römer zeigten in dieser Gegend eine ingenieurstechnische Meisterleistung. Ab Walldürn verläuft der Limes schnurgerade wie mit dem Lineal gezogen auf über 80 Kilometer Länge durch die Landschaft. Es gibt keine Abweichung von der Ideallinie (na gut, 50 cm auf der Gesamtstrecke, aber die armen hatten ja noch kein GPS), keine Anpassung an natürliche Bodenformen. Historiker vermuten, dass die Römer die Strecke so gerade zogen, um die Germanen, zu beindrucken. Es ist ihnen gelungen, wir waren völlig geplättet! Vielleicht lags auch nur an den erwähnten Steigungen, wir hätten es natürlich schöner gefunden, wenn sie den Grenzzaun um die Hügel rumgebaut hätten!

Das Stadttor von Öhringen.
In Öhringen erholten wir uns auf dem Öhringer Weinfest. Zum Glück gab es ein kleines Gewitter das den Ort wieder etwas runterkühlte! Anschließend schauten wir noch das EM-Spiel Deutschland gegen Italien. Es ist klar, warum die Italiener gewonnen haben: eine späte Rache der Italiener, weil wir damals den Limes demoliert haben.

Auch heute wieder erkennt man unsere schwindenden Kräfte an der abnehmenden Zahl der Fotos ;-)

Die Tourdaten:

Strecke63,6 km
 Dauer 04:10
 Höhenmeter 1024 m
 Durchschnitt 15,2 km/h
 Vmax 48,4 km/h


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Dienstag, 24. Juli 2012

Etappe 5: Aschaffenburg - Walldürn (27.6.)

Es gibt so Tage, da läuft einfach nichts! Genau so einen hatten wir heute erwischt.  Es ging los mit dem morgendlichen Duschen. Da entdeckte ich tatsächlich Überreste einer Zecke, von der ich glaubte, sie am Vorabend erfolgreich aus meinem Körper gedreht zu haben! Insektenbefall am eigenen Körper ist so gar nicht meins, daher checkte ich gleich beim Hautarzt um die Ecke ein. Wer glaubt, da einfach hingehen zu können, hat sich getäuscht. Die nette Arzthelferin (ich habe noch nie Arzthelfer gesehen!) erklärte mir freundlich  und bestimmt, dass der früheste Termin im November möglich wäre. Nach dem Hinweis auf unsere Radtour und die Tatsache, dass wir nicht bis November, trotz aller Schönheit, in Aschaffenburg bleiben werden sowie einigem allgemeinen Feilschen einigten wir uns drauf, dass ich in eine Lücke reingeschoben werden kann. Siehe da, obwohl der Terminkalender der Praxis knackevoll war, kam ich eine halbe Stunde später dran! Die Zecke war zum Glück komplett weg, sie hatte nur Fühlerreste in meinem Körper hinterlassen.

Der Main bei Aschaffenburg.
Nach dem Zeckenschock frühstückten wir erstmal ausgiebig. So richtig Lust zum Radeln hatte heute niemand. Irgendwann rafften wir uns trotzdem auf, um nach einer Stunde im ersten Biergarten einzukehren.

Der Biergarten lag in Miltenberg, und hier verlässt der Limes leider den Main. Unser kurzes Intermezzo auf seniorentauglichen Chilloutwegen war also vorbei. Ein Gutes hatte es, Pedelec-Radler trifft man nur auf ebenerdigen Flussradwegen im Flachland, und so musste Uli sein Versprechen, den nächsten E-Biker vom Rad zu hauen, nicht mehr einlösen.

Nach den ersten hundert Höhenmetern zeigte mein Körper erneut deutliche Verfallserscheinungen, diesmal in Form eines wehleidigen Knies. Daher und aufgrund der allgemeinen Müdigkeit  reduzierten wir unsere ambitionierten Pläne und beschlossen, in Walldürn einzukehren.

In Amorbach, diesem trostlosen Ort, versuchten wir eine Pause einzulegen. Leider hatte alles geschlossen!
Walldürn liegt im Odenwald und wurde wie jeder Ort der Region an einem alten Limeskastell errichtet. Berühmt ist er für das Blutwunder von Walldürn. Für uns als Protestanten erschloss sich die ganze Dramatik um das Wunder nicht so richtig, trotzdem wurden wir im Hotel Riesen für Pilger gehalten und bekamen das Pilgermenü vorgesetzt. Das Essen war wirklich vorzüglich und reichhaltig, daher beschlossen wir, noch einen kleinen Verdauungspaziergang durch die Stadt zum Blutaltar zu machen. Der Ort lebt von der Wallfahrt, es gab überall verschiedene Devotionalien, Wallfahrtskekse und ähnliches mehr. Wir nutzten die Chance, um uns mit neuen Lourdesgrottenbrennern einzudecken.

in diesen mondänen Betten verfielen wir in einen komatösen Erschöpfungsschlaf.
Völlig erschöpft kehrten wir zurück und liesen den Abend - wie jeden Abend - bei einem lokalen Wein ausklingen.

Wie schlimm der Tag für uns war kann man der Tatsache entnehmen, das wir nur drei (!) Fotos gemacht haben. Die bleiben dem Blog natürlich nicht vorenthalten!

Voheriger Tag: Etappe 4
Zum Schluss noch die Tourdaten:

Strecke63,8 km
 Dauer 03:43
 Höhenmeter 546 m
 Durchschnitt 17,1 km/h
 Vmax 39,0 km/h


Limesradweg Aschaffenburg - Walldürn auf einer größeren Karte anzeigen

Mittwoch, 18. Juli 2012

Etappe 4: Kohortenkastell Hunneburg / Butzbach - Aschaffenburg (26.6.)

Etwas gerädert (kommt das tatsächlich vom Radfahren?) gings direkt vom Hotel los. Der Bautrupp, der am Tag zuvor den Radweg vor Butzbach eingeweiht hatte, war heute am Abstecken der Route hinter Butzbach aktiv. Wir kamen ein bisschen ins Plaudern, welches denn der beste Untergrund für Radwege sei. Als Mountainbikefahrer sind wir natürlich für unbefestigte Wege, aber angeblich zeigen Studien, dass auch im Wald der Asphaltweg am besten sei, da er den Boden am wenigsten verdichtet. Der Druck, der von der Berührungsfläche eines schmalen Fahrradreifens auf den Boden trifft, ist wohl höher als bei einem PKW-Reifen und zerdrückt auf Dauer die Würmer im Boden.

Ich glaube ja eher, das diese Studie von der Pedelec-Industrie gekauft wurde. Jedes natürliche Hindernis muss aus dem Weg geräumt werden! Und seit es Studien gibt, bei denen behauptet wird, das Fahren mit Pedelecs oder E-Bikes verursacht weniger CO2 Ausstoß als das eigene Pedalieren, halte ich alles für möglich!

Oberhalb von Butzbach gab es eigentlich außer einem gut erhaltenen Wall im Wald nicht viel  zu sehen.

Schöne Wallreste zwischen WP 4/40 und 4/42
Die erste Rast legten wir im ehemaligen Kohortenkastell Arnsburg ein, heute ein kaputtes Kloster, welches weitgehend aus den Steinen des Römerkastells gebaut wurde. Im kaputten Kreuzgang befindet sich heute eine Kriegsgräberstätte.

Direkt hinter dem Kloster gabs einen kleinen Bach, die Wetter, nach dem ist angeblich die ganze Landschaft benannt. Hinter Arnsberg konnte man Lich erkennen, der Ort, aus dem das Licher Bier kommt. Irgendwie konnte uns das nicht überzeugen und so verzichteten wir auf einen Abstecher zur Brauerei - wir wussten ja, am Abend noch würden wir in Franken sein!


Der ehemalige Kreuzgang im Kloster / Kastell Arnsberg.
 In der Nähe von Hungen endeten dann sowohl der Rad- als auch Wanderweg in einem privaten Campingplatz, scheinbar gab es im Campingbereich vor ein paar Jahren noch einen Durchlass, inzwischen steht dort ein gartenzwergebewehrter Camper-Traum. Der Radweg führte noch ein weiteres mal in eine Sackgasse, dort, wo er ursprünglich entlangführte, befindet sich nun ein See mit lauter Baumleichen drin.
Leichen pflastern unseren Weg ...
Heute fehlten erstmals die Steigungen, und so radelten wir ziemlich flott durch die Wetterau, den nächsten Halt gab es in Echzell. Dort hat man beim Buddeln eine alte römische Steinsäule gefunden. Die Säule und die Tatsache, dass der Ort sich am UNESCO geschützten Limes befindet, hat die Gemeinde dazu verleitet, sich mit Orten wie den Pyramiden von Gizeh, dem Tadj Mahal oder dem Ayers Rock zu vergleichen. Wir finden zu Recht!

Die alte Steinsäule ...

... hier nochmal aus der Nähe

Der Beweis, das sich die Pyramiden von Gizeh und Echzell auf Augenhöhe befinden!
Hinter Echzell zeigt sich die Wetterau von ihrer ganzen fruchtbaren Schönheit. Überall wimmelt es von Obstgärten. Als wir auf Fallobst am Wegesrand trafen, konnten wir dran vorbei radeln!

Der Beweis: Die Wetterau hat unglaublich fruchtbare Böden!
 Die Römer wussten dies natürlich auch und haben das Gebiet primär wegen des Zugangs zu Frischobst annektiert. Rezeptfunde am Wegesrand beweisen das.


Im Wald vor Marköbel gab es wieder gut renovierte und ausgeschilderte Streckenabschnitte. Zum Teil wurden Limespalisade und -wall rekonstruiert.

Limesrekonstruktion bei WP 4/104
Mitten im Wald stießen wir auch auf eine Baustelle eines Wachturms, welcher mit den Mitteln der damaligen Zeit rekonstruiert wird. Das Gerüst sah etwas wackelig aus, aber zumindest die ersten Meter hat man damit wohl mauern können.

Das Baugerüst ...

... und der dazugehörige Turm!
Der Höhepunkt das Tages lag aber noch vor uns: die Drususeiche! Wenn wir das nur früher gewusst hätten! Schilder klärten uns auf: Drusus (Nero Claudius Drusus Germanicus - der Germanenbezwinger) ritt im Jahre 15 v.u.Z. in etwa 20 Kilometer Entfernung an dieser Stelle vorbei, um Teile Germaniens zu erobern. Gut 1627 Jahre später wurde ihm zu Ehren eine Eiche gepflanzt! Wieder spürten wir den Mantel der Geschichte wehen - wie zuletzt am 3. Oktober 1990!

20 Kilometer von dieser Rinde entfernt ritt Drusus lang!
Das ich das noch erleben durfte!

Hier hat jemand sein Schwert und Schild verloren.
Die Nähe zum Main und die fehlenden Steigungen machen sich bemerkbar, allenthalben trifft man auf touristische Infrastruktur in Form von Denkmälern, Römerparks, Ruinen usw.

klar definierte Grenzlinien!
Bei Großkrotzenburg trafen wir endlich auf den Main. Ab hier war der Radweg wieder wie ein Highway ausgebaut. Wir waren fast irritiert, andere Radfahrer zu sehen, nachdem wir die vorherigen drei Tage in kontemplativer Einsamkeit verbracht hatten. Na gut, es waren keine richtigen Radfahrer, nur Pedelecfahrer!

ohne Worte!

Großkrotzenburg
Die letzten Kilometer am Main vergingen wie im Fluge, mit leichtem Rückenwind schossen wir förmlich nach Aschaffenburg. Hier hatten wir endlich mal wieder ein ruhiges Hotel und konnten Abend einige fränkische Bierspezialitäten verkosten - gut das wir Lich links liegen liessen!

Die Fähre nach Seligenstadt!
 Hier noch die Tourdaten - Dank der fehlenden Höhenmeter konnten wir ein bisschen Strecke gutmachen.

Strecke121,2 km
 Dauer 06:24
 Höhenmeter 938 m
 Durchschnitt 19 km/h
 Vmax 40,5 km/h


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Sonntag, 15. Juli 2012

Etappe 3: Idstein - Kohortenkastell Hunneburg / Butzbach (25.6.)

Am nächsten Morgen war es zwar noch trüb, aber es regnete zum Glück nicht mehr. Wir nutzten die Gelegenheit für einen kleinen Stadtbummel. Besonders gefallen hat uns Bike-Loft, ein Fahrradladen, der keine E-Bikes verkauft! Diesen Mut muss man in diesem Jahrzehnt erstmal aufbringen! Respekt!

Idyllische Kulisse in Idstein
Sehr symphatisch!
 Für diesen Tag war sozusagen der Limes-Hauptkamm geplant, einmal quer durch den Taunus über den Großen Feldberg. Da wir aufgrund des Regens am Vorabend nach Idstein ins "Tal" hinabgefahren waren, zuckelten wir erstmal gemütlich die Landstraße entlang, um uns dann wieder dem Radweg und den Bergen zu nähern.

im Hintergrund die noch regenverhangenen Berge
Beim Kleinkastell Alteburg-Heftrich trafen wir wieder auf die Original-Route, ab hier hies es nur noch: bergauf! Durch den Wald schraubten wir uns immer mehr zum Großen Feldberg hoch. Die Maximalsteigung betrug 28%. Das war für mein geschundenes Rad zu viel, als ich bei dieser Steigung in die Pedalen tratt, kippte es einfach nach hinten auf die Satteltaschen. Also schieben. Die Steigungen haben auch ein ihr Gutes: Man trifft keine Pedelecs und E-Bikes. Beim Kastell Feldberg hatten wir das schlimmste schon hinter uns.

Uli inspiziert fachkundig die Überreste des Feldkastells Feldberg bei WP 3/47
Kurz hinterm Kastell erreichten wir die höchste Stelle der Tour, danach ging es nur noch abwärts dem Höhepunkt der Etappe entgegen: dem Kastell Saalburg.

Da freut sich das Mountain-Bike!

Endlich Sonne! Impressionen aus dem Taunus.
Das Kohortenkastell Saalburg (bei Bad Homburg) ist das besterforschte und am vollständigsten rekonstruierte Kastell des gesamten des Obergermanisch-Raetischen Limes.
Die Saalburg war ursprünglich von 90 - 260 in Betrieb, mit allen Schikanen wie Sauna, Taverne, Fußbodenheizung, Wasserspülung im WC usw. Nach dem Limesfall im Jahr 260 vergammelte das Kastell und lag bis 1900 brach.
Den Wiederaufbau verdanken wir der Reichslimeskommission und natürlich unserem Kaiser Wilhelm II., der sich wohl selbst als entfernter Nachfahre Cäsars und Vertreter des heiligen römischen Reichs sah. Leider hatte er keine Ahnung von der Materie, und so wurde auf seinem ausdrücklichen Wunsch hin das Kastell falsch rekonstruiert. Damals hat ihm keiner widersprochen, Privilegien des Adels eben.

Kaiser Antoninus Pius und ich.
Im Kastell gab es wieder römisches Essen, gedünstete Pilze mit einer Art Frischkäse und Mulsum.

Fast wie in der Toskana.
Von der Saalburg aus radelten wir gemütlich (es regnete immer mal wieder) bis nach Butzbach. Der Weg verlief die ganze Zeit durch den Wald, auf dem Navi waren irgendwann nicht mal mehr Straßen zu erkennen. Der Grund liegt an einer echt überdimensionierten Kaserne der Bundeswehr. Sie dient wohl dem Schutz der Wetterau, einem Gebiet, an dem auch die Römer sehr interessiert waren, immerhin haben sie hier extra den Limes nochmal nach Norden gebogen, um diesen Landstrich ins Reichsgebiet zu integrieren. Angeblich, weil das Land so fruchtbar war und die Wetterau Truppenbewegungen nach Germanien erleichterte. Wie wir heute wissen ist nichts draus geworden.

Einsam auf Waldwegen.

Die Wetterau-Kaserne
Hinter der Kaserne, beim Kleinkastell Kaisergrube, gabs mal wieder einen renovierten Wachturm, den WP 4/16. Er ist angeblich der bestrenovierte Wachtum am Limes, das Original war allerdings noch höher. Die Rekonstruktion wurde von einem Sockenfabrikanten finanziert.


WP 4/16

Centurio Uli kontrolliert die nördliche Wetterau.
Kurz vor Butzbach war der Radweg mitten in der Pampa einfach gesperrt bzw. waren die Landstraßen nur als Einbahnstraße freigegeben.  Mühsam suchten wir uns unseren Weg. Am nächsten Tag konnten wir in der Zeitung auch den Grund lesen: Vor Butzbach wurde ein Abschnitt des neugebauten Limesradwegs eröffnet! Mit feierlichen Reden, Radlern in Originalkostümen und sicher viel Ebbelwoi. Da wären wir auch gerne mitgefahren, wir wären mit Sicherheit auch die einzigen richtigen Limesradler gewesen. Immerhin ist uns in 7 Tagen auf dem Limes ein einziger weiterer Radler begegnet.

Die neue Route ist etwas näher am Limes als die alte, beinhaltet weniger Steigungen und ist asphaltiert, also für Pedelecs tauglich gemacht worden. 2014 sind die Erneuerungen abgeschlossen, dann wird auch überlegt, den Radweg zu beschildern! ;)

Hach, die schöne Wetterau!

Limes-Reste vor Butzbach
 Butzbach ist ein kleines nettes Örtchen, direkt an der Fachwerkstraße gelegen. Hier ließen wir den Tag beim Italiener (natürlich in einem Fachwerkhäusschen) ausklingen.

Irgendwie schief!
Die Tourdaten für Tag 3:

Strecke65,4 km
 Dauer 04:25
 Höhenmeter 1438 m
 Durchschnitt 14,8 km/h
 Vmax 43,5 km/h



Limesradweg Idstein - Butzbach auf einer größeren Karte anzeigen





















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